Am Anfang standen zwei Mann, eine Mundharmonika
und einige Glas Bier. Am Ende viele Hunderte zufriedene Menschen.
Im Sommer 2000 weilte Igor Flach in Klingenthal, um in der Mundharmonika-Manufaktur
C.A. Seydel Söhne seine Instrumente überholen zu lassen
und das eine oder andere neue Instrument in Augenschein zu nehmen.
Untergebracht war er im Gasthof „Zum Postillion“, und
wie es hier zu Lande so ist, kam er mit dem Wirt, dem Rostock, Rolf
ins Gespräch. Es entspann sich ein für beide Seiten interessantes
Gespräch. Der Rolf konnte erzählen, welche Rolle die Mundharmonika
hier über mehr als hundert Jahre gespielt hat, das Klingenthal
für sich beansprucht, die Wiege der Mundharmonika zu sein. Und
welche traurige Entwicklung seit 1990 die Herstellung dieses Instruments
genommen hat. Igor beschrieb, wie anderswo das Spiel und die Musik
mit der Mundi gepflegt wird, dass das Instrument einen treuen Fankreis
hat, eine lebensfrohe und aufgeschlossene Gemeinde regelmäßig
zu Treffen in ganz Europa erscheint. So kam es, dass zwei sich fanden,
die sich in den Kopf setzten, der Mundharmonika wieder einen würdigen
Rahmen in Klingenthal zu verschaffen, die Idee vom Ersten Mundharmonikatreffen
war geboren.
Fortan knüpften die beiden Kontakte, Igor zu Künstlern,
Rolf zu Wirten, Sponsoren und Vereinen und schon bald waren so viele
Mitwirkende für die Idee gewonnen, dass aus der Idee ein Projekt
wurde: Das Projekt „Mundharmonika-Live“
Zu den beiden Ideengebern, Rolf und Igor, gesellten sich bald weitere
Enthusiasten: Zunächst als Werbefachmann Horst Körner, vom
Werbestudio „die 2“. Die Wirte Alexander Böhm von
der „Alten Schule“, nebenberuflich Vorsitzender des Tourismusvereins,
Carsten Förster vom „Döhlerwald“, Torsten Voigt
vom „Sportlerheim“, Christina Goldhahn vom „Ferienhotel
Mühlleithen“ und Theo Körner von der „Alten
Scheune“ in Zwota kristallisierten sich bald als Gastgeber heraus.
Natürlich sollten in einer Stadt mit einer solchen Musiktradition
die Instrumentenmacher nicht fehlen. Mit Gerhard Räker und Karl
Pucholt stieß die Geschäftsleitung der ältesten noch
produzierenden Mundharmonikafabrik, C. A. Seydel Söhne, zum Organisationsteam.
Dieses Team brachte dann Mundharmonika-Live auf den Weg. Was sich
hier so einfach in einem Satz schreibt, war mit viel Engagement Enthusiasmus
und vor allem Durchhaltevermögen verbunden. Zahlreiche Widerstände
mussten ausgeräumt, dutzende Klinken geputzt und hunderte Telefonate
geführt werden. Doch bald zeichnete sich ab, dass das Mundharmonikatreffen
genügend Unterstützer haben würde. Ein Termin wurde
festgelegt und ein Arbeitsplan erstellt.
Zu den 14-tägigen Treffen kamen nun auch Michael Sobkowiak, Karsten
Meinel, Helmut Raitzsch von der Jugendherberge, Ursula Herold vom
IVH, Anette Schürer von der Beschäftigungsgesellschaft,
Peter Fritzsche vom Musik- und Wintersportmuseum und Brigitte Schädlich
von der Touristeninfo.
Nachdem der Berg des Pessimismus abgetragen war, begannen nun die
Mühen der Ebene: Plakate und Flyer mussten entworfen, gedruckt
und verteilt werden, Musiker mussten gefunden und ausgewählt
werden, Verträge wurden abgeschlossen, Veranstaltungsraüme
gemietet, gastronomische Betreuung organisiert, Termine abgestimmt
werden (um nur einige zu nennen). Am Ende stand ein Programm über
drei Tage, ganz im Zeichen der Mundharmonika.
Die zunehmende Begeisterung und die Einzigartigkeit unseres Festivals
führten dazu, dass bereits zum dritten Festival 2003, 1200 Besucher
verbucht werden konnten und die Anzahl der Veranstaltungsorte auf
10 stieg.
2003 konnte in der ältesten Mundharmonikafabrik der Welt - C.A.
Seydel Söhne GmbH - die „bluesfactory”, der Megatreff
der Mundiszene geschaffen werden.
Die Festival-Band begleitet die Harper und sorgt
für Stimmung bis zum Morgengrauen. Besuchermeinung: „wie
in New Orleans...”
Den Höhepunkt erreicht das Festival mit der musikalisch kulinarischen
Live-Nacht am Samstag – Pendelbusse bringen unsere Gäste
zu den einzelnen Veranstaltungsorten – Klingenthal, Mühlleithen,
Zwota und Muldenberg stehen Kopf.
Workshops von Profis, öffentliches Vorspielen
und Führungen durch die Mundharmonikafabrik runden das Festivalprogramm
ab.
Mit der Teilnahme namhafter Künstler und Besucher aus USA, Brasilien,
Neuseeland, Tschechien, Polen, Ungarn, Holland, Belgien, Deutschland
und und und ... ist unser Festival zu einem internationalen Höhepunkt
in der Musikstadt Klingenthal sowie in der Mundharmonikaszene gewachsen.
|